Amateurfunk? Wieso, weshalb warum...

Wer mich kennt, weiss es schon: seit Dezember 2013 funke ich - und damit ist weder Handynetz noch WLAN gemeint. Nein, ich mache Amateurfunk.

 

Wieso, weshalb, warum?

 

Beruflich hat sich in den letzten paar Jahren ein enger Kontakt zur HF-Technik entwickelt - verstrahlt war ich allerdings schon vorher ;-)

Zusätzlich kam ich durch meine Fahrgemeinschaft in direkten Kontakt mit Amateurfunk. Und da mich Technik begeistert und ich auch gerne selber bastele, war das Interesse mit dem Satz "Da darf man auch selber bauen" mehr als nur geweckt.

 

Und so hab ich mich angefangen zu informieren - was gibt es an Möglichkeiten, was macht man da so, wie kommt man da rein, was kostet so was. Nachdem ich einen Überblick hatte, hab ich angefangen, auf die Prüfung zu lernen und schließlich 2 Wochen vor Weihnachten 2013 meine Lizenz gemacht (Klasse A).

 

Hier ein paar Eckdaten von mir:

DL8CQ, QTH Kempten, DOK T12, Locator JN57ER

 

Amateurfunker können aus der einen Zeile manches rauslesen, für alle anderen hier eine kleine Erklärung:

 

- DL8CQ ist mein Rufzeichen. Das hat jeder Funkamateur, zugeteilt wird einem das zusammen mit der offiziellen Zulassung zum Amateurfunkdienst. Das funktioniert ähnlich wie das Autokennzeichen: will man mit dem Auto auf die Straße, benötigt man ein Kennzeichen. Man kann dabei ein Wunschkennzeichen angeben, das man auch bekommt, sofern es frei ist. Im Amateurfunk muss man für das Wunschrufzeichen allerdings nicht extra zahlen!

Das Rufzeichen wird bei jedem Gespräch über Funk zu Beginn genannt, meist auch zwischendurch und am Ende. Somit weiss jeder, der zufälligerweise mithört, wer da spricht und kann sich beteiligen (oder wegdrehen...)

 

QTH ist eine von vielen gängigen Amateurfunk-Abkürzungen, die für "(Heimat-)Standort" steht.

 

DOK T12: Viele Funkamateure in Deutschland sind im Deutschen Amateurradioclub organisiert, der DARC. Innerhalb des DARC gibt es Distrikte und innerhalb der Distrikte wiederum die Ortsverbände. Ich bin im Ortsverband Sonthofen, der den Kenner T12 trägt. DOK steht für Distrikt-Ortsverband-Kenner. Das T im Kenner steht für den Distrikt Schwaben. (Wobei ich an der Stelle betonen möchte, dass ich mich immer noch badisch fühle! ;-) )

 

JN57ER heisst der Locator, mit dem man meinen "Shack", also meine Funkerbude im sogenannten Maidenhead- oder QTH-Locator-System findet. Ähnlich zu Breiten- und Längengraden ist dabei der Globus in Felder unterteilt. Dabei unterscheidet man zwischen den Größt-, Groß- und Kleinfeldern. Ich wohne im Größtfeld JN, das in 100 Großfelder von 00 bis 99 unterteilt ist, die wiederum in Kleinfelder von AA bis XX unterteilt sind. So lässt sich ein Standort auf bis zu 6km eingrenzen.

Und was macht man da so?

Diese Frage ist mir schon einige Male gestellt worden; deshalb möchte ich hier aus der Sicht eines - hmm... - erfahrenen Anfängers ein bisschen erklären.

 

Beim Begriff "Funkamateur" denken manche an große, schwere Geräte, vor denen ein vollbärtiger alter Kauz sitzt und mit einer Morsetaste seine Signale in die Welt sendet. Ja, diese Funker gibt es und das gehört dazu.

 

(es hat aber nicht jeder einen Vollbart!) :-D

 

Es gibt aber noch vieles mehr im Amateurfunk - und es gibt immer wieder was Neues, denn der Amateurfunk entwickelt sich genauso wie jede andere Technik immer weiter.

 

Um beim Morsen zu bleiben: Die Morsetechnik, die es bereits zu Vorkriegszeiten gab, gibt es immer noch: Die gerade Morsetaste, mit der man manuell Morsezeichen übermittelt. Es gibt aber auch halb- und vollautomatische Tasten, die das manuelle Geben von Morsezeichen unterstützen. Und es gibt Computerprogramme, die Tastatureingaben direkt in Morsecode umsetzen und ans Funkgerät weitergeben. Und das war nur ein Einblick in die Vielfalt der traditionellen Morse-Kommunikation.

 

Daneben gibt es noch zahlreiche weitere Arten der digitalen Kommunikation, sei es nun reine Datenübertragung oder digitalisierte Sprache. Wer sich für diese Richtung interessiert, der kann gerne nach den Begriffen RTTY, PSK31, D-Star, DMR, WSPR oder QRSS googlen, um nur einige wenige der sogenannten Betriebsarten zu nennen.

 

Daneben gibt es natürlich den ganz normalen Sprachfunk, der aber auch wieder in unterschiedlichen Betriebsarten durchgeführt werden kann: da gibt es wie beim Radio die Amplitudenmodulation, die Frequenzmodulation und auch SSB-Betrieb.

 

Die Frequenzen, die genutzt werden dürfen, werden von der Bundesnetzagentur dem Amateurfunkdienst zugeteilt. Die niedrigsten Frequenzen liegen bei 135 kHz, nach oben hin gibt es von offizieller Seite kaum Grenzen (oberhalb 956GHz darf man auch...)

 

Dementsprechend vielfältig ist auch die Technik, die zum Einsatz kommt. Und die darf man wie gesagt auch selbst bauen! Natürlich gibt es kommerzielle Amateurfunktechnik fertig zum Kaufen, es gibt aber auch viele Funkamateure, die vorhandene Technik (z.B. WLAN) für Amateurfunkzwecke umbauen - oder eben von Grund auf neu bauen. Hierfür finden sich auch vielerorts Beschreibungen im Internet.

 

Und das ist - zumindest meiner Meinung nach - ein weiteres wichtiges Merkmal des Amateurfunks: der Funkamateur ist ein hilfsbereiter Mensch, der sein Wissen auch gerne weitergibt.

 

Und so werden nicht nur Funkgeräte gebaut, sondern auch die ganze Technik drumherum: insbesondere die Antennentechnik und die HF-Messtechnik sind zwei große Spielwiesen für viele Funker.

 

Beim Selbstbau ergeben sich übrigens viele Berührungspunkte zu den "Mächlern" / "Baschdlern" oder "Makern", wie man die Technikbegeisterten neudeutsch nennt. Arduino und Raspberry sind im Amateurfunk schon längst keine Fremdwörter mehr!

 

So, damit wollte ich euch einen kleinen Einblick geben in die Vielfalt des Amateurfunks. Auf die Frage "Was macht man da so?" gibt es also nicht die eine Antwort.